Feuer

 Wenn im Dunkeln die Flammen tanzen, es Funken regnet und das Feuer wild im Ofen flackert, dann dringt die Wärme tief in unser Herz. Während sich der diffuse Lichtschein des Feuers in der Dunkelheit verliert, das Brennholz mit rauchiger Stimme singt und sich unsere Gedanken mit den Wäldern und der Natur verbinden, offenbart sich das jahrhundertealte archaische Wesen des Feuers und das Geheimnis unserer Zunft. Wir bewahren mit unseren Öfen und Feuerstellen dieses kulturelle Erbe und führen es von der Gegenwart in die Zukunft.

 Einfachheit

 Was wir als schön und harmonisch empfinden, entsteht aus der Praxis des Handwerks und dem tiefen Verständnis der Dinge und der Natur heraus. Unsere Öfen und Feuerstellen fügen sich mit grosser Schlichtheit und Einfachheit in die Räume ein und verbinden sich in grosser Selbstverständlichkeit und Harmonie mit ihnen. Als wären sie schon immer da gewesen, unabhängig davon wie technisch komplex und durchdacht ihr Innenleben auch sein mag.

 Patina

 Das Feuer als Zeitsymbol versinnbildlicht die Gegenwart und den Augenblick. Abgriffspuren an einem historischen Ofen, Glanz und matter Schimmer, die entstehen, wenn ein Ofen von Menschenhand während langer Zeit angefasst, glatt gescheuert und alles tief in die Poren des Materials eindringt, so dass eine unverwechselbare Farbtönung und Haptik entstehen, machen für uns erst die Seele eines Ofens aus. Stahl, der oxydiert, rostet, seine Perfektion verliert und dadurch erst an Schönheit gewinnt, solchen Oberflächenstrukturen widmen wir uns mit grösster Hingabe und Leidenschaft. Stets auf der Suche nach gesteinsähnlichen ab- und übergelagerten Farbschichten, die den Dingen Tiefe und Schwere verleihen, tüfteln wir an neuen Backsteinen für unsere Öfen. In der Asymmetrie, den Spuren des Zufalls und der Zeit wie auch einer gewissen Rohheit und Offenheit liegt für uns das Geheimnis der Schönheit der Dinge verborgen. Nie würde es uns in den Sinn kommen, die Spuren der Zeit wegzuschleifen und die Haut unserer Öfen glatt zu polieren. Ganz im Gegenteil: Mit einem grossen Grubenlader schleifen wir unsere Öfen schon einmal über einen Parkplatz oder wir vergraben einen Ofen tief in der Erde, stets auf der Suche nach möglichst eigenwilligen und ausdrucksstarken Oberflächen.

 Materialien

 Als Hüter des Feuers arbeiten wir mit den gleichen natürlichen Materialien wie es bereits unsere Vorfahren taten. Gebrannter Ton, in Form von Schamottsteinen, dient uns zur Auskleidung des Feuerraums und zur Speicherung der Wärme. Geschmolzenes Eisen in Form von Stahlblech bildet die schützende und wärmende Hülle vieler unserer Öfen. Schliesslich arbeiten wir auch häufig mit gebranntem Stein in Form von Kalk, welcher als Verputz zum Einsatz kommt. All diese Materialien reichen in die ferne Vergangenheit unserer Zivilisation zurück. In ihrer Schwere und Dichte verbergen sich die abgelagerte Zeit und das Dunkel der Erde. Sie alle sind aus oder mit dem Feuer entstanden, dem sie nun in Form unserer Öfen eine schützende Hülle bieten.

Herd und Ofen

 Dach und Feuer sind die ursprünglichsten Voraussetzungen der Behausung in unserer Zivilisation. Das Feuer spendet dabei Wärme und Wohnlichkeit im Innern, während der Rauch das von Menschen bewohnte Haus versinnbildlichte. «Eigenes Feuer» und «eigener Rauch» tauchen als eigene Rechtsbegriffe noch im späten Mittelalter in der Schweiz auf. Das Entzünden des Feuers in einem neu erbauten oder neu bezogenen Haus galt als wichtiger Rechtsakt, unabhängig von der symbolischen und religiösen Kraft des Feuers. Seit man das Feuer durch ein Dach schützte, galt es gleichzeitig auch das Dach vor dem Feuer zu bewahren. Aus der Feuergrube, dem offenen Feuer auf der Feuerplatte in der Küche, ohne und mit Funkenfang bzw. Rauchfang, entwickelte sich im Laufe der Zeit die Feuerplatte in Verbindung mit einem Stubenofen und später dann mit einem Stubenherd. Das Feuer und seine Hitze wurden in Herden und Öfen eingeschlossen und sicher verwahrt. In dieser Tradition stehen wir noch heute, wenn sich auch die Technik stark weiterentwickelt hat.

Dunkelheit

 Das Feuer steht mit der Dunkelheit in einer symbiotischen Beziehung. So entfalten sich die Sinnlichkeit und Mystik eines Ofens und dessen Feuer, das er sicher und geborgen in sich trägt, oft erst im Dunkeln. Die in der Dunkelheit wogenden, samtig-weichen Flammen, die strahlende Wärme des Ofens beruhigen den Herzschlag der Bewohner, dehnen die Zeit und verleiten zu Träumen und Geschichten. Der gleiche Ofen in einem hell ausgeleuchteten Raum scheint am Tag sehnsüchtig und ungeduldig auf die hereinbrechende frühe Winternacht zu warten, so dass im Feuerschein des Dunkeln auf der Ofenbank die Erinnerungen und Geschichten wieder zum Leben erwachen.